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Inklusion beginnt nicht an der Startlinie – sondern lange davor

Inklusion beginnt nicht an der Startlinie – sondern lange davor

Wenn über Inklusion gesprochen wird, denken viele zunächst an spezielle Angebote oder einzelne Programmpunkte. Doch echte Inklusion beginnt viel früher – bei der Planung, bei den Rahmenbedingungen und bei der Frage, ob wirklich alle Menschen die Möglichkeit haben, teilzunehmen.

Wenn aus der Idee ein Mensch wird

Über Inklusion kann man viel schreiben. Noch wichtiger ist es, den Menschen zuzuhören, für die sie einen Unterschied macht.

Thomas Gentgen war 2025 sowohl beim 700-Meter-Inklusionslauf als auch beim 5-km-Lauf dabei.

Seine Antwort auf die Frage, warum ihm beides wichtig war, bringt unsere Idee auf den Punkt:

„Beim Inklusionslauf habe ich zeigen können, dass man – egal welche Beeinträchtigung man hat – nicht abseits stehen muss. Die 5 km waren ein Test, ob man im Rolli auch klar kommt. Es klappt.“„Das Ankommen im Stadion bei beiden Läufen war schon ein tolles Gefühl. Als dann noch die Medaille um den Hals hing, machte das den Moment perfekt.“

Eine, die sich seit vielen Jahren für genau dieses Ziel einsetzt, ist Michelle Okumus. Als Projektkoordinatorin des Aktionsplans Inklusion Lampertheim und Mitglied des Behindertenbeirats engagiert sie sich dafür, Barrieren abzubauen und Teilhabe für alle Menschen zu ermöglichen. Beim Spargellauf „Run den Damm“ war sie nicht nur Ansprechpartnerin und Unterstützerin im Hintergrund, sondern auch selbst aktiv auf der Strecke unterwegs. Sie nahm sowohl am Inklusionslauf als auch am 5-Kilometer-Lauf teil.

Inklusion geht uns alle an

Für Michelle hat das Thema einen persönlichen und familiären Hintergrund. Gleichzeitig ist sie überzeugt, dass Inklusion weit mehr bedeutet als die Unterstützung einzelner Gruppen.

„Ich wünsche mir, dass mehr Menschen erkennen, dass Inklusion uns allen zugutekommt. Wenn wir Barrieren abbauen und Angebote so gestalten, dass möglichst viele Menschen teilhaben können, schaffen wir eine offenere, vielfältigere und lebenswertere Gemeinschaft für alle.“

Echte Teilhabe bedeutet für sie, dass jeder Mensch selbst entscheiden kann, welche Angebote er nutzen möchte – unabhängig von körperlichen oder geistigen Voraussetzungen. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Teilhabe darf nicht an Treppenstufen, fehlender Barrierefreiheit oder mangelnder Infrastruktur scheitern.

Ein Herzensprojekt auf und neben der Strecke

Dass Michelle sowohl beim Inklusionslauf als auch beim 5-Kilometer-Lauf an den Start ging, hatte für sie eine besondere Bedeutung.

„Der Inklusionslauf ist für mich eine echte Herzensangelegenheit. Mir ist es wichtig, dass diese Veranstaltung möglichst viele Menschen erreicht und von Jahr zu Jahr bekannter wird.“

Eine ganz besondere Erfahrung war für sie die Teilnahme am 5-Kilometer-Lauf gemeinsam mit Thomas Gentgen. Thomas ist Rollstuhlfahrer und hatte den Wunsch, ebenfalls an diesem Lauf teilzunehmen. Gemeinsam gingen sie als Duo an den Start.

„Für mich war das eine tolle Gelegenheit zu zeigen, dass Sport Menschen verbindet und Teilhabe ganz selbstverständlich möglich sein sollte. Wir konnten die Strecke ganz normal in unserem Tempo absolvieren und waren einfach Teil des Teilnehmerfeldes. Genau das macht für mich gelungene Inklusion aus.“

Noch mehr beeindruckte sie dabei, dass ihre Teilnahme gemeinsam mit Thomas für die anderen Läuferinnen und Läufer völlig selbstverständlich wirkte.

 

Wenn Vielfalt selbstverständlich wird

Der Veranstaltungstag selbst bleibt Michelle besonders positiv in Erinnerung. Die offene Atmosphäre, die gegenseitige Unterstützung und die Freude der Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten den Tag für sie zu etwas Besonderem.

Vor allem der Inklusionslauf zeigte aus ihrer Sicht eindrucksvoll, wie Inklusion in der Praxis funktionieren kann. Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen waren gemeinsam unterwegs, unterstützten sich gegenseitig und teilten dieselbe Begeisterung für Bewegung und Gemeinschaft.

„Hier zählt nicht, wie schnell jemand ist oder welche Zeit am Ende auf der Uhr steht. Entscheidend ist, dass alle mitmachen können und gemeinsam ein positives Erlebnis haben.“

Inklusion zeigt sich oft in den kleinen Dingen

Besonders wichtig ist Michelle der Blick auf die vielen organisatorischen Details, die oft unbemerkt bleiben.

Ein Beispiel waren die zusätzlichen Behindertenparkplätze, die gemeinsam mit dem Behindertenbeirat Lampertheim und dem Aktionsplan Inklusion organisiert wurden. Dadurch konnten Menschen mit Behinderung trotz Straßensperrungen problemlos zur Veranstaltung gelangen oder diese wieder verlassen.

 

Das mag wie ein kleines Detail wirken, zeigt aber sehr deutlich, worum es bei gelebter Inklusion geht: Die Bedürfnisse aller Menschen werden von Anfang an mitgedacht. 

Auch ihr Mann unterstützte die Veranstaltung als Helfer und betreute die Behindertenparkplätze. Für Michelle steht fest: Ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im Hintergrund wären solche Veranstaltungen nicht möglich.

Positive Rückmeldungen und wertvolle Anregungen

Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren überwiegend sehr positiv. Gelobt wurden insbesondere die freundliche Atmosphäre, die Organisation und die Streckenführung.

Gleichzeitig gab es auch wertvolle Hinweise für die Zukunft. So wünschten sich einige Teilnehmer eine bessere Kennzeichnung der Startnummernausgabe für den Inklusionslauf sowie noch mehr Öffentlichkeitsarbeit, damit künftig noch mehr Menschen von diesem Angebot erfahren.

Für Michelle sind genau solche Rückmeldungen wichtig:

Sie zeigen, dass die Menschen die Veranstaltung wertschätzen und sich wünschen, dass sie weiter wächst und noch bekannter wird.

 

„Mit uns statt über uns“

Was macht eine Sportveranstaltung wirklich inklusiv? Für Michelle beginnt dies damit, Menschen mit Behinderung und ihre Interessenvertretungen frühzeitig in die Planung einzubeziehen. „Mit uns statt über uns.“ Niemand kenne bestehende Barrieren besser als die Menschen, die ihnen im Alltag begegnen. Gleichzeitig müsse Inklusion als fortlaufender Prozess verstanden werden. „Inklusion ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhaken kann. Es ist ein Prozess, bei dem man ständig dazulernt und besser wird.“

Eine Einladung an alle

Auf die Frage, was sie Menschen sagen würde, die überlegen, selbst am Inklusionslauf teilzunehmen, muss Michelle nicht lange überlegen: „Macht mit!“

Für sie geht es nicht um Leistung oder Bestzeiten, sondern um Begegnungen, Gemeinschaft und das gute Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen. Ihre Botschaft ist klar: „Inklusion und Teilhabe sind Menschenrechte. Sie sollten kein besonderer Zusatz sein, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil jeder Sportveranstaltung.“

Der Spargellauf „Run den Damm“ möchte genau diesen Weg weitergehen – damit aus einer Laufveranstaltung ein echtes Gemeinschaftserlebnis für alle wird.

„Es ist wichtig, dass alle die Möglichkeit haben teilzunehmen. Als Eingeschränkter ist es motivierend und ein Gefühl des Wir.“

– Thomas Gentgen